Manchmal wachsen die Bäume eben doch in den Himmel

Wenn man in der Tabelle weit oben steht, auch seine schwächeren Spiele gewinnt und von überall
gelobt wird, kann es eine bewährte Taktik sein, sich für ein Freundschaftsspiel einen besonders
starken und an sich überlegenen Gegner zu suchen; am Besten noch einen mit älteren und
höherklassigen Spielern. Denn idealerweise kassiert das eigene Team dann eine heftige Niederlage,
lernt Demut und wird sich der Notwendigkeit bewusst, sich im Training auch weiter anzustrengen, da
der nächste starke Gegner stets nur zwei Frankfurter Stadtteile entfernt ist.


Sollte wir mit unserem Spiel am 24. November dieses Ziel verfolgt haben, so sind wir phänomenal
gescheitert. Und selten hat Scheitern so einen Spaß gemacht. Denn unsere E2 hat hier eine der
geschlossensten und damit besten Mannschaftsleistungen dieser Saison, wenn nicht überhaupt,
hingelegt.


Gegner war der 2008er-Jahrgang der Sportfreunde 04, die normalerweise ein Gegner unserer
eigenen 2008er in der Kreisliga A sind. Auf dem Papier also ein Gegner, der ziemlich genau eine
Nummer zu groß für unser Team war. Doch unverzagt warf man sich ins Spiel und den Sportfreunden
entgegen.


Gleich von Anfang an machten diese klar, dass unserem Team der erwartet schwere Gang
bevorstehen würde. Kämpferisch und spielerisch stark sowie körperlich natürlich überlegen, setzten
sie unsere E2 unter Druck. Doch diese ließ sich nicht beirren und hielt konsequent dagegen. Im
Verlauf der ersten Halbzeit gelang es uns dann auch, das Spiel zumindest ausgeglichen zu gestalten
und uns sogar die besseren Torchancen zu erarbeiten. Doch auch die Sportfreunde hielten den Druck
aufrecht und konnten so mit zwei schnellen Angriffen in den letzten fünf Minuten von Hälfte eins den
Pausenstand von 0:2 erzielen.


In der Unterbrechung stand nun die ernsthafte Befürchtung im Raum, dass Widerstand und
Kampfkraft unseres Teams in der zweiten Halbzeit erlahmen würden und das Ganze auf die
eigentlich zu erwartenden Niederlage zusteuern würde. Doch da kannten wir unser Team schlecht.
Mit Sturm und Drang startete dieses in Hälfte zwei und überrumpelte den von Tempo, Kompaktheit
und Willen unserer Mannschaft zunehmend überfordert wirkenden Gegner.
Und die Bemühungen unserer Jungs machten sich umgehend ergebnistechnisch bemerkbar. Nach
zwei Minuten in der zweiten Halbzeit erzielte Caspar nach Ablage von Keanu das 1:2. Wieder drei
Minuten später konnte Keanu einen der vielen gefährlichen weiten Einwürfe Marlons direkt mit links
zum Ausgleich verwandeln. Und erneut Keanu war in Minute sieben von Hälfte zwei nach Pass von
Resul für die Führung zuständig.


Uff, das war eine Menge Action in wenigen Minuten und das Spiel war gedreht und unter Kontrolle
des Makkabi-Teams. Es folgte noch das 4:2 durch Resul, der den Vorteil nutzte, nachdem Caspar
routiniert den Ball im gegnerischen Strafraum behauptet und vom Torwart elfmeterreif umgestoßen
worden war.


Jetzt war eigentlich Schluss, doch beide Teams hatten offenbar so viel Spaß an dem Spiel, dass man
noch eine „dritte Halbzeit“ dranhängen wollte. Flugs war der Schiedsrichter überredet und weiter
ging’s. Und Makkabi machte drei dort weiter, wo man kurz zuvor aufgehört hatte. Zwar fing man sich
noch ein Gegentor zum zwischenzeitlichen 4:3. Doch Matej nach prima Vorarbeit durch Resul und
schließlich Resul selbst mit einer wunderbar verunglückten Flanke sorgten für den 6:3-Endstand.

Am Ende stand ein äußerst verdienter Erfolg gegen einen bärenstarken Gegner, zu dem jeder
einzelne Spieler seinen Beitrag geliefert und den sich das Team als geschlossene Mannschaftsleistung
an die Fahne heften kann.


Noch ein Wort zum Gegner: Es macht bestimmt keinen Spaß, gegen ein jahrgangsjüngeres Team zu
verlieren. Die Sportfreunde (Team, Betreuer und Tross) trugen ihren eventuellen Frust aber nie nach
außen und waren vor, während und nach dem Spiel stets ein angenehmer und fairer Gegner.
Aufstellung und Betreuer unserer E2:
Als zwei Mauern aus Stein im Tor agierten im Wechsel Ole und Moses.
Über die komplette Spielzeit eine kompakte Dreierkette in der Abwehr mit ernsthaften Ambitionen
nach vorne bildeten Rodrigo, Matej und Marlon.


Für Gefahr vor dem gegnerischen Tor, Pressing und Unterstützung der eigenen Defensive sorgten
abwechselnd unsere Angriffstrios Joey, Carlos und Noah sowie Resul, Keanu und Caspar.
Für Aufstellung, Anweisungen, Auswechslungen und Präsenz an der Seitenlinie waren unser
Trainerteam, bestehend aus Kenan und Daniel.
Wegen Verletzung, Erkältung oder anders entschuldigt fehlten Ali, Ferdi, Ruben und Tom.
Geniales Spiel, mehr davon! Makkabi chai!

Text: Holger Miss