F1 besteht Charaktertest

F1 besteht Charaktertest

Ein Feiertagsmorgen im Herbst, 5 Grad, das Laub liegt auf dem Rasen, gemeinsam mit ein paar anderen mehr oder weniger planlosen Vätern ruckelt man Tore und Eckfahnen zurecht, die Sonne kommt hinter den Gebäuden des Hessischen Rundfunks hervor und zwei Mannschaften mit lauter Achtjährigen bereitet sich auf das Spiel vor, Aufregung und Vorfreude liegen in der Luft. Mal wieder einer dieser genial-poetischen Berte-Morgen also, die wir alle so lieben.

Und für diesen Reformationstag wartete ein echter Prüfstein auf die F1. Nämlich ein Freundschaftsspiel gegen das Team des VfB Unterliederbach, das sich im Wesentlichen aus Spielern (und dem Trainer!) zusammensetzte, die in der letzten Saison noch für Rosenhöhe Offenbach gespielt haben; eine Mannschaft, mit der sich unser Team diverse hartumkämpfte, nicht immer schöne, aber nie langweilige Duelle geliefert hat.

Anstoß 10:30 Uhr, 3 mal 20 Minuten. Ole – Marlon – Matej – Elijah – Keanu – Tom und Ferdi lautete unsere Anfangsformation. Ali würde im zweiten Drittel das Tor hüten, Moses im Dritten. Ruben, Rodrigo, Noah und Resul sollten im Laufe der Partie eingewechselt werden.

Unser Team legte offensivfreudig los und nach einer dicken Chance schon in der ersten Minute erzielte Keanu mit rechts (nochmal: mit RECHTS!) das 1:0 in der vierten Minute. Es entwickelte sich ein sehr intensives Spiel zweier starker Mannschaften, bei dem die Makkabi-F1 im ersten Drittel aber hinten sehr gut stand und sich vorne einige Chancen erarbeiten konnte. Gleichwohl fiel noch in der Nachspielzeit des ersten Drittels das 1:1, mit dem es auch in die Drittelpause ging. Schon jetzt zeigte sich, dass der Gegner unserem Team heute alles abverlangen würde und hierbei alle körperlichen Mittel, die erlaubten und manchmal auch die unerlaubten, zum Einsatz kommen würden.

Zu Beginn des zweiten Drittels erwischte uns ein stark aufspielender Gegner auf dem falschen Fuß. Das 1:2 nach einem Fehlpass im Mittelfeld und das 1:3 zur Mitte des zweiten Drittels durch einen Fernschuss waren die Folge. Zu diesem Zeitpunkt stand das Spiel wirklich auf der Kippe und dem direkten Anschlusstor von Resul zum 2:3 (nach Vorlage von Rodrigo) war es zu verdanken, dass Makkabi im Spiel blieb,

Dann (Ende des zweiten Drittels) hatte unser Team direkten Freistoß in bester Position vor dem gegnerischen Tor und es folgte der große Auftritt von Matej, der nicht zuletzt in dieser Szene den enormen Wert unter Beweis stellte, den er für das Team hat. Mit elegantem Rechtsschuss platzierte er den Ball an einer viel zu nahen, im Übrigen aber herzzerreißend schlecht stehenden Mauer vorbei in den rechten Torwinkel – 3:3 und Drittelpause.

Sei es nun nachlassende Kondition (Unterliederbach hatte für das Feld keine Auswechselspieler), Enttäuschung über den Spielverlauf oder irgendwas anderes: Jedenfalls häuften sich mit fortlaufender Spieldauer die Szenen, in denen sich Spieler von Unterliederbach nach vermeintlichen Fouls der Makkabispieler laut klagend auf dem Boden wälzten und Freistöße verlangten. Wurde dies zu Beginn noch ernstgenommen, bekam das Ganze auf die Dauer doch eine rechtunglaubwürdige Note; nicht zuletzt, da der Gegner selbst sehr robust zur Sache ging und unsere Spieler nicht durch vergleichbare Einlagen auffielen. Dass die Situation hier nicht entgleiste, ist im Wesentlichen oder gar ausschließlich der Besonnenheit und der vorbildlichen Einstellung unseres Coachs Kenan zu verdanken, der unsere Jungs bei jeder Gelegenheit zum Fair Play aufforderte und so klar machte, dass bei uns höhere Maßstäbe gelten als eventuell anderswo.

Im dritten Drittel ging es weiter intensiv und jetzt mit einer Menge Toren zur Sache. Einem viel zu leicht herausgespielten 3:4 des Gegners in der fünften Minute des Spielabschnitts folgte eine Minute später der 4:4-Ausgleich durch Ferdi nach Ballgewinn und Vorlage von Ruben. Ferdi war es denn auch, der wieder nur eine Minute später ziemlich cool den gegnerischen Torwart ausspielte und mit links ins fast leere Tor zum 5:4 einschob. Das 6:4 folgte kurz darauf durch ein Eigentor nach einer Ecke durch Keanu. Das zwischenzeitliche Verkürzen auf 6:5 war nur eine Fußnote, denn Resul (nach tollem Zuspiel von Marlon) und Elijah auf Flanke von Noah sorgten für den 8:5-Endstand.

Fazit: Die F1 hatte heute nicht ihren brillantesten Tag erwischt, hat sich aber erfolgreich in das Spiel hineingekämpft, ließ sich nicht provozieren und konnte so letztendlich sowohl als sportlicher als auch als moralischer Sieg stolz erhobenen Hauptes das Spielfeld verlassen. Mehr davon!

Text: Holger Miss